Ragin trat aus der Ratshalle und sog die Nachtluft gierig ein. Die stickige, verbrauchte Luft in der Halle bereitete ihm Kopfschmerzen. Während sich ihm aus dem Schatten zwei seiner Leibwächter aus der Vargarda anschlossen, trat er auf Horsa zu, der bereits bei den Ställen auf ihn wartete.
"Brechen wir auf?" Er nickte. "Ja, wir brechen auf. Es wurde genug Zeit mit Reden verbracht."
Horsa warf einen Blick auf seinen Hals. "Du trägst immernoch den Zahn des Hagriks." Ragin nickte erneut. "Ja, die Runensteine haben mir auch für die kommende Zeit diese Bürde auferlegt. Damit trage ich die Verantwortung für die kommende Schlacht gegen die kupferne Jagdspinne."
Horsa lachte leise. "Das dürfte kein Problem sein. Jetzt, wo sich das meiste ihrer Armee buchstäblich in Luft aufgelöst hat." "Genau wie der größte Teil des Goldenen Skorpions in Hag Halvor." Horsa öffnete die Stalltüre. "Gute Nachrichten, Herr. Die Halvor haben uns treu zur Seite gestanden. Es freut mich, dass ihre Feinde jetzt keine große Bedrohung mehr darstellen."
Ragin betrat den Stall und ging auf sein Pferd zu. "Es scheint mit der Vernichtung der Legaten zu tun zu haben. Offenbar sind die meisten Soldaten der Feinde nur Trugbilder, die von ihren Hauptarmeen ablenken sollten. Die verbleibenden Goldenen Skorpione sind auf das Klanheiligtum der Halvor marschiert und halten es jetzt besetzt. Aber die vereinten Halvor-Truppen werden es wohl bald zurückerobern, zumal sie jetzt Hilfe von den Zwergen bekommen. Fünfzig an der Zahl, hat der Botschafter der kleinen Trampel gesagt. Er glaubt zumindest, dass sie für 500 kämpfen werden, aber wir können wohl froh sein, wenn sie wenigstens so gut kämpfen wie dreißig Widukin."
Die beiden Männer führten ihre Pferde aus dem Stall. "Was ist mit den Blankardern und Nantwiga?" Ragin zuckte mit den Schultern. "Flyhöhe ist wohl frei. Nicht, dass es eine Rolle spielt, da waren wohl auch hauptsächlich Trugbilder am Werk. Das Teutates-Heiligtum ist besetzt und Punraz Orkentrutz ist schwer verwundet. Sein Gör hat für einen kleinen Eklat gesorgt, als sie sich mit der neuen Druidin im Rat angelegt hat, aber das soll nicht meine Sorge sein. Die Nantwiga werden von der schwarzen Witwe weiterhin in Schach gehalten. Ihr Heiligtum war wohl auch besetzt, aber die Nebelkrähen behaupten, sie hätten dieses Problem gelöst. Auf jeden Fall habe ich zugesagt, meine Leute dort hinunter zu schicken, sobald wir mit unseren Feinden aufgeräumt haben."
Als sie auf ihre Pferde stiegen, warf Horsa Ragin einen nachdenklichen Blick zu. "Die Nebelkrähen? Was ist mit denen eigentlich?" "Wir haben abgestimmt. Und danach haben wir uns erst darüber unterhalten, über was wir eigentlich abstimmen." Ragin lachte bitter. "Na, ist ja auch egal. Jedenfalls haben wir Widukin gegen alle anderen gestimmt und das wird wohl noch ein paar mal passieren, ehe diese Sache geklärt ist. Wir werden nun die Ächtung der Nebelkrähen aufheben und fordern sie auf, sich uns in Gänze zu offenbaren. Dann werden wir weiter entscheiden." "Das wird sie nicht zufrieden stellen, nehme ich an." "Und was interessiert mich das? Zwei von den Kerlen waren bei uns und haben sich wichtig gemacht." "Ja, ich weiß." knurrte Horsa und deutete mit einer beiläufigen Kopfbewegung auf die beiden Leibwächter, die ihnen auf schwarzen, flinken Pferden folgten. Ragin warf einen Blick über die Schulter und blickte in das Gesicht eines seiner Leibwächter. Der Mann nickte, als hätte er sofort verstanden, was Ragin ihm sagen wollte.
"Das Verschwinden der feindlichen Soldaten und das Schrumpfen der Riesenspinnen auf Normalgröße fällt zeitlich zusammen, genauso, wie das Verschwinden der Runen, die das Erz der Halvor scheinbar unbrauchbar gemacht hatten. Und beides scheint zusammenzufallen mit der zweiten Schlacht um Grimmgard. Ein Teutatespriester aus dem Swajut des Falken hat davon berichtet. Er behauptet auch, den Legaten der goldenen Legion zerstört zu haben. Was immer davon zu halten ist. Die Nantwiga haben immernoch probleme mit dieser Spinnenstatue, damit haben wir einige Zeit verbracht, aber ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Ein guter Mann ist gestorben für nichts und wieder nichts." Ragin senkte kurz den Kopf, sprach dann aber ruhig weiter.
"Das Ding ist wieder eingeschlossen und weggesperrt und das wars. Nichts neues an dieser Front. Arvid Adlerstolz ist nun Hagrik der Halvor und auch die Nantwiga haben eine neue Hagrikka bestimmt -Signa Natternbiss trägt seit heute Abend die Schlangen-Torque. Nur da der Keilerzorner und der Orkentrutzer nicht da waren, müssen die Blankarder wohl noch einen neuen bestimmen oder den alten bestätigen. Mal sehen, vielleicht ist ja ohnehin nur einer übrig, wenn Hag Blankard endlich befreit ist. Oder ein paar von ihnen fallen der Berserkerwut anheim, die grassiert immer noch in ihren Reihen. Ich bin mir aber sicher, dass das der Vergangenheit angehört, wenn die letzten Diener der Spinnenfee erledigt sind."
Sie erreichten das Westtor Raurikors und verließen die Siedlung in Richtung von Ragins kleiner Entourage, die in der Nähe lagerten. "Nebelkrähen wollen Anerkennung, verschwundene Soldaten und Trugbilder, Flyhöhe befreit, Riesenspinnen und Erz zerstörende Runen verschwunden, eine unzerstörbare Spinnenfigur und sich ausbreitende Berserkerwut bei den Blankardern..." murmelte Horsa. Ragin nickte bestätigend. "Das wäre das wichtigste. die Schlacht um Grimmgard ist gewonnen und Zwerge siedeln sich Hag Halvor an." Horsa blinzelte. "Das hattet ihr vergessen zu erwähnen. Tatsächlich?" "Ja, tatsächlich." "Nun, mein alter und neuer Hagrik..." dann bleibt uns wohl nur noch, den Schlachtplan, den sich die Twalibi überlegt haben umzusetzen."